Universität und Studenten im Heidelberger Mittelalter: Einleitung

Die Heidelberger Universität feierte im ihr 1986 ihr 600-jähriges Bestehen und rühmt sich, die älteste deutsche Universität zu sein. (Wir vermeiden hier jegliche Problematisierung der Frage, was man unter "deutsch" verstehen kann: Das Kaiserreich des Spätmittelalters? Das wilhelminische Kaiserreich? Deutschland vor der nationalsozialistischen Expansion oder einer der beiden Rumpfstaaten Deutschlands nach 1945?)

War schon die heutige Altstadt Heidelbergs - in den Grenzen vom Karlstor bis zur Grabengasse - nicht denkbar ohne den Einfluß "von oben" (die Vorgängersiedlung Heidelbergs im Klingenteich wurde nach 1200 zur heutigen Kernaltstadt umgewandelt und erweitert), so gilt dies erst recht für die Universität. Im Vergleich zu der weit über 100 Jahre älteren, "gewachsenen" Universität unserer Partnerstadt Montpellier, entstand die Heidelberger Universität im Jahre 1386 auf kurfürstliche Initiative hin, also "von oben" in Folge eines geschickten Schachzuges des beinahe 80-jährigen Realpolitikers Ruprecht I.

Paris, Bologna, Prag und Wien beispielsweise hatten bereits gezeigt, wie ein kirchlich legitimiertes, jedoch in vielem weltlich ausgerichtetes System zum Zwecke der Anhäufung von Bildung und Wissen in etwa funktionieren kann. Ruprecht I. hatte als Kurfürst und als Pfalzgraf bei Rhein seit der Goldenen Bulle von 1356 das verfassungsmäßig oberste weltliche Amt im Reich inne, nämlich das des Reichsvikars, und war damit Stellvertreter des Kaisers. Trotz seines relativ kleinen Hinterlandes stand er im Ansehen direkt hinter dem Kaiser. Er besaß zwar selbst keine hohe Schulbildung, war aber intelligent genug, den mit einer Universität verbundenen Zuwachs an Ansehen, Macht und Geld für seine Stadt am Neckar zu sehen.

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