IV. Strafordnung im mittelalterlichen Heidelberg

Wer in unseren Tagen auf Heidelbergs Marktplatz verweilt, ahnt kaum, daß zwischen Rathaus und Heiliggeistkirche jahrhundertelang Menschen enthauptet wurden. Da der Marktplatz im Mittelalter ohnehin Zentrum des öffentlichen Lebens war, lag es nahe, ihn auch für den Strafvollzug zu nutzen. Die Hinrichtung fand auf einer erhöhten Plattform statt, die groß genug war, um neben dem Verurteilten und dem Scharfrichter auch die öffentlichen Zeugen und den Priester aufzunehmen. Der Scharfrichter konnte darauf, für die Zuschauer gut sichtbar, aber ohne von diesen behindert zu werden, seines Amtes walten. Seine Tätigkeit galt übrigens als unehrenhaft, doch die folgende Gebührenordnung für Scharfrichter, die im Jahre 1743 von der kurfürstlichen Regierung erlassen wurde und immer noch eine bedeutende Quelle für die mittelalterliche Strafpraxis in Heidelberg darstellt (4), läßt vermuten, daß Angehörige dieses Berufsstandes den Ehrverlust verschmerzen konnten.

Tätigkeitfl. - kr.
 

1. Einen Delinquenten zu besichtigen, ob an ihm schon eine Exekution vollbracht worden

1 - 30

2. mit den Instrumenten zur Tortur aufwarten, sie werden angelegt oder nicht

1 - 30

3. den Daumenstock anzulegen

2 --

4. die spanischen Stiefel anzulegen

3 --

5. bei der Tortur anzuziehen

3 --

6. einen auf die Bank zu legen und mit Gerten zu streichen

3 --

7. an den Pranger zu stellen

3 --

8. an den Pranger zu stellen und mit Ruten auszustreichen

3 --

9. einem Gotteslästerer oder sonstigen Verbrecher eine Maulschelle zu geben

2 --

10. den Galgen aufzubrennen

3 --

11. Nasen und Ohren abzuschneiden

5 --

12. die Zunge abzuschneiden

5 --

13. mit glühenden Zangen zu pfetzen

5 --

14. die Hand abzuhauen

5 --

15. einen mit dem Strange hinzurichten

7 --

16. mit dem Schwerte zu richten

7 - 30

17. einen zu begraben oder das Gerippe eines, vom Hochgerichte gefallenen Körpers unter das Gericht zu verscharren

2 --

18. den Kopf oder eine Hand auf den Pfahl zu stecken

5 --

19. den Leib auf das Rad zu legen

5 --

20. einen zu Radebrechen

12 --

21. einen zu verbrennen

5 --

22. den Scheiterhaufen aufzurichten

3 --

23. einen Selbstmörder zu henken

7 - 30

24. einen zu viertheilen

12 --

25. die Viertel auf die Straßen zu henken

3 --

26. wann eine Malefizperson mit dem Wagen zur Gerichtsstelle hinausgeführt wird oder doch der bespannte Wagen mitgehen muß

3 --

27. einen in- oder außer dem Sack zu versäuffen

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